Tom im Pit der Vuda Marina, über ihm sein Segelboot Lola

Trockene Zeiten in der Vuda Marina

Der erste Monat in Fiji war taff. Lola wurde von dem Vorbesitzer in einen so genannten Zyklon-Pit setzen lassen, bevor er sie verlassen hatte. Diese Pits bestehen aus langen Gräben in welche die Einrumpfboote gekrant werden. Ein paar Autoreifen drum herum auf denen der Rumpf aufliegen kann, ein paar im Boden verankerte Spanngurte und das Boot ist auch bei starkem Sturm relativ gut gesichert. Auf das Boot kam man über eine Leiter. Toiletten, unsere stellten sich als kaputt heraus, waren ein paar hundert Meter entfernt und durch die fehlende Kühlung des Meeres heizte sich das Boot über den Tag so auf, dass es vermutlich auch als Sauna durchgegangen wäre. Wir mutierten zu Frühaufstehern. Um sechs Uhr war es bereits hell und wir auf den Beinen. Um 17 Uhr wurde es wieder dunkel und dazwischen wurde gearbeitet. Alle paar Tage ging es nach Lautoka, in die nächst größere Stadt, um neues Material zu besorgen. Täglich fanden wir neue Dinge die kaputt waren und schon bald verloren wir den Überblick über die angefangenen Baustellen. Immer wieder zweifelten wir. Sollen wir Lola wirklich kaufen? Ist das Ganze nicht ein Fass ohne Boden? Werden wir es uns leisten können dieses Boot wieder her zu richten? Doch jetzt waren wir nun mal schon in Fiji und bei unserem Budget wäre es ein riesen Glück und eher unwahrscheinlich ein anderes Boot in einem besseren Zustand zu finden. Außerdem ist Lola ein wirklich schönes Boot und Stahlboote sind bekannt dafür sehr sichere Boote zu sein.

Obwohl wir sehr hart arbeiteten und wirklich viel schafften fühlte es sich oft so an als würden wir auf der Stelle treten. Auf alles was wir abhaken konnten, kamen zwei neue Dinge dazu. Der erste große Meilenstein war als unsere neuen Batterien geliefert wurden. Es dauerte mehrere Tage die Elektrik von Lithium Batterien auf AGM Batterien um zu stellen doch als dies erledigt war konnten wir endlich unsere volle Bilge1 leer pumpen, Abends mit richtigem Licht kochen und das Beste: mit Ventilatoren schlafen!

Nach und nach lebten wir uns ein. Vuda wurde zu unserem ersten Zuhause in der Ferne. Immer mehr Segler*innen kehrten nach der Zyclon-Saison zu ihren Booten zurück und schon bald saß man abends auf ein Bierchen zusammen, quatsche wenn man sich auf dem Weg zur Toilette über den Weg lief oder stattete sich kurze Besuche ab, um zu sehen wie es den Anderen so ergeht. Manchmal kamen die Arbeiter der ansässigen Betriebe vorbei um mit Tom zu rauchen oder mit uns Kaffee zu trinken. Der Security-Mann, der alle Bootler bei ihren Namen nennen kann, hatte immer einen aufmunternden Spruch für uns übrig und wir entdeckten einen kleinen Imbiss, direkt vor der Marina, wo man feinste indische Snacks für ein paar Cent kaufen konnte.

Doch es war ein gefühlstechnisches Auf und Ab. Wir entdeckten, dass der Wasserausgleichsbehälter des Motors gebrochen war, hätten wir das Boot so ins Wasser gesetzt wäre unser Motorraum voll mit Wasser gelaufen. Eins der Seeventile2 war ziemlich verrostet und die Dichtung ganz porrös. Dicht war das sicher nicht mehr, auch da wäre Wasser in unser Boot gekommen, hätten wir es nicht gesehen. Die anderen Seeventile sahen gut aus, ganz frisch lackiert. Wir überlegten, sollten wir den Lack abklopfen um zu sehen wie es darunter aussieht? Es wiederstrebte uns doch wir mussten es tun. Zu viele der angeblich gerade erst restaurierten Sachen waren schon wieder in einem katastrophalen Zustand. Wer auch immer da gearbeitet hat, muss ziemlich schludrig vorgegangen sein.

Die anderen Seeventile genauer unter die Lupe zu nehmen war die richtige Entscheidung. Bei zwei weiteren fanden wir die selbe porröse Dichtung und den selben Rost wie bei der ersten. Jemand musste gesehen haben, dass sie in keinem guten Zustand sind doch anstatt sie auszubauen, sauber zu machen und neu ein zu dichten wurden sie einfach überpinselt.

Wir haben so viel entdeckt doch genau das gab uns zu denken, denn was haben wir vielleicht nicht entdeckt?

Die kleinen Erfolge blieben aus, wir wollten den Kühlschrank in Betrieb nehmen, er funktionierte nicht. Tom verkabelte ihn neu, er funktionierte doch seine Abwasserpumpe ist kaputt. Wir füllten unsere Tanks mit Wasser um das Spülbecken in Betrieb zu nehmen, auch hier war die Abwasserpumpe kaputt. Tom schaffte es sie zu reparieren, dann war das Spülbecken undicht.

Eine Sache zog sich durch wie ein roter Faden, nichts funktioniert einfach so, alles was man anfasste wurde zu einem weiteren Punkt auf der To Do Liste. Außer…eine Sache hat tatsächlich sofort und einwandfrei funktioniert. Selbst nach dreizehn Monaten Pause sprang der Motor an wie eine Eins. Das gab uns wieder Kraft. Wir haben ein Ziel vor Augen und uns war klar gewesen, dass wir uns kein Boot in Top Zustand leisten werden können. Also Zähne zusammen beißen und durch!

Für die Nicht-Segler:innen:

1 Die Innenseite des Rumpfs der unter dem Fußboden liegt
2 Borddurchlass durch welchen z.B. das Abwasser aus dem Boot geleitet wird