Meine Begegnung mit den Mantas hat mich neugierig gemacht. Wer sind diese riesigen, so anmutig wirkenden Tiere die eine Ruhe ausstrahlen, die einen alles andere vergessen lässt?
Ich wollte mehr über sie erfahren und habe ein bisschen recherchiert.
Hard Facts
Das Wort Manta kommt aus dem Spanischen und bedeutet „Decke“. Meiner Meinung nach hätte „fliegender Teppich“ besser gepasst aber „alfombra voladora“ wäre vielleicht etwas lang gewesen.
Groß sind sie ja, aber kuschelig und weich? Das sind sie nicht. Eher glitschig. Die Haut von Mantarochen ist nämlich von einer Schleimschicht überzogen.
Sie gehören wie auch die Haie zu den Knorpelfischen und werden in drei Arten unterteilt: den Riesenmanta, den Riffmanta und den Atlantischen Mantarochen. Wie der Name schon vermuten läßt, ist der Riesenmanta der größte der Drei. Seine Spannweite kann bis zu 7m betragen. Sieben Meter! Das ist echt verdammt groß. Tom könnte sich 3,8 mal hintereinander, quer auf den Rücken eines solchen Tieres legen. Und ich würde sogar 4,3 mal darauf passen. Die Mantas die wir gesehen haben waren vermutlich aber eher Riffmantas, denn diese erreichen im Durchschnitt „nur“ eine Spannweite von etwa drei bis vier Metern.
Nicht nur ihre Größe, auch ihr Alter ist beachtlich. Mantarochen können ein Alter von bis zu vierzig Jahren erreichen. Vorausgesetzt sie werden davor nicht gefischt oder landen als Beifang auf irgendeinem Kutter, versteht sich.
Einiges im Köpfchen
Mantas sind ziemlich schlaue Fische. Sie haben ein ähnliches Verhältnis von Gehirn- zu Körpermasse wie Schimpansen, Gorillas, Raben, Delfine und Co.
Dass sie in der Lage zur Selbstwahrnehmung sind zeigt der Spiegeltest. Ein Versuch der in den 70er Jahren entwickelt wurde und dazu dienen soll Intelligenz nachzuweisen. Verhält sich das Tier gegenüber seinem Spiegelbild wie zu einem Artgenossen ist es durchgefallen. Bei Mantas konnte man dagegen ungewöhnliche Bewegungen erkennen, die wohl der Selbstbetrachtung dienten. Diesen Test bestehen menschliche Kleinkinder übrigens auch erst mit frühestens ein und halb Jahren.
Mantas können sich erkennen und sie können uns erkennen. Hat man regelmäßige Begegnungen mit dem selben Tier kann es einen selbst unter mehreren anderen Menschen ausfindig machen.
Wie viel die Rochen im Köpfchen haben zeigt auch ihre komplexe Navigation.
An einer australischen Universität hat man Riesenmantas mit Sensoren ausgestattet und daraufhin beobachtet, dass die Tiere richtig tief tauchen können. Und zwar über 1200m tief! Aber warum machen sie das? Das Forschungsteam geht davon aus, dass die Mantas auf ihren Tauchgängen Daten sammeln um eine Art Karte der Gewässer zu erstellen, die ihnen bei der Navigation hilft. Denn die Tauchgänge standen in der Regel im Zusammenhang mit Wanderungen über mehrere hundert Kilometer. Die Forscher:innen vermuten, dass sie in der Tiefe Daten über die Temperatur, den gelösten Sauerstoff und die Änderungen im Erdmagnetfeld sammeln. Ziemlich beeindruckend sich auf diese Weise in den Weiten der großen Ozeane zurecht finden zu können!
Noch ein cooler Fakt zum tauchen:
In solchen Tiefen ist es, entschuldigt den Ausdruck, arschkalt. Um mit der Kälte klar zu kommen haben Mantarochen einen Wärmetauscher in ihrer Brustflosse, der ihr Gehirn und ihren Körper gezielt aufheizen kann.
Self Care
Im Meer tummeln sich zahlreiche Parasiten. Kleine, lästige Dinger die sich an den großen Meeresbewohnern vergreifen und die man, einmal eingefangen, lieber schnell wieder loswird. Mantarochen haben für solche Fälle gleich mehrere Lösungen parat. Innere Parasiten werden sie los, indem sie beim Stuhlgang einen Teil ihres Darms herauspressen, um ihn nach einer kurzen Wasserreinigung wieder einzustülpen.
Für die Parasiten die es sich außen an ihrer Haut oder im Maul gemütlich gemacht haben, suchen Mantas die riffeigenen Spas auf. Das sind Putzstationen an denen bestimmte Fische oder Garnelen ihre Dienste, nicht nur den Rochen sondern auch Haien, anbieten. Hierher schwimmen die Tiere, stellen sich gegebenenfalls geduldig an und lassen die fleißigen Putzer ihre Arbeit verrichten. Diese freuen sich auf ihre Kunden, denn was für die einen lästige Parasiten sind, ist für die anderen ein Leckerbissen. Diese Riff-Spas sind ein Ort der Harmonie, niemand frisst hier niemand. An diesen Orten liegt der Fokus auf Selbstfürsorge.
Babymantas
Mantarochen werden erst relativ spät geschlechtsreif. Erst mit zehn bis fünfzehn Jahren bekommt ein Weibchen zum ersten mal ein Baby, oder selten auch zwei wenn es Zwillinge werden. Das Baby reift in einem Ei heran welches im Laib der Mutter vollständig ausgebrütet wird, bevor nach über einem Jahr dann ein fertiger, kleiner Babyrochen geboren wird. Die Spannweite der Neugeborenen beträgt zu dem Zeitpunkt bereits mehr als einen Meter.
Gefährdete Riesen
Die Reproduktionsrate von Mantarochen ist sehr gering. Erst nach zwei bis drei Jahren wird ein Weibchen erneut schwanger. Dezemierte Bestände brauchen dementsprechend lange um sich zu erholen. Leider werden Mantarochen heute als stark gefährdet eingestuft. Grund dafür ist zum einen die gezielte Jagd auf Mantas für die TCM (traditionelle chinesische Medizin), in der den Kiemen allerlei Heilwirkungen zugesprochen wird. Zum anderen landen Mantas leider immer wieder als Beifang in den Netzen der Fischer. Das ist wohl vor allem bei den Thunfisch-Fischern ein Problem.
Und dann ist da auch noch dieser verdammte Klimawandel, der die so wichtigen Riffe bedroht und dessen Folge auf die Meere und seine Bewohner man in seiner Komplexität noch gar nicht ganz erfassen kann.
Was kann ich tun?
Der Zustand in dem sich unsere Meere befinden ist ziemlich erschreckend und frustrierend. So viele Arten stehen kurz davor für immer zu verschwinden. Vorallem für Menschen die nicht direkt am Meer wohnen, kann sich das alles ganz schön weit weg anfühlen und den Trugschluss erzeugen, damit nichts zutun zu haben. Aber das stimmt nicht!
Wir alle tragen Verantwortung für den Zustand unserer Meere und wir alle haben einen Einfluss darauf.
Was also kann man tun? Die Antwort ist so einfach wie naheliegend: Hört auf Fisch zu essen! Was viele leider nicht wissen, auch der Fischzüchter von Nebenan ist mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit an der globalen Überfischung und dem grausamen Beifang beteiligt. Denn Zuchtfische werden häufig mit Fischmehl gefüttert und dieses Fischmehl wiederum wird aus Meeresfisch hergestellt. Und wie überall in der Nutztierhaltung gilt, man muss mehr rein stecken als man am Ende raus bekommt.
Einen guten Einblick in die globale Fischindustrie und deren Auswirkungen findet ihr in der Netflix Doku Seaspiracy.
Und wer noch mehr über Mantas erfahren möchte, oder die Forschung und Schutzbemühungen der Tiere unterstützen möchte kann auf der Seite von Mantatrust vorbeischauen.

